Metzelder wieder im Aufgebot
Heute um 13.30 Uhr gab Bundestrainer Jürgen Klinsmann (41) seinen 21-köpfigen Kader für die Länderspiele in der Türkei (8. Oktober) und gegen China (12. Oktober) bekannt. Zudem wurden fünf Akteure zusätzlich für die Fitnesstests im Rahmen der WM-Vorbereitung eingeladen, die am 3. und 4. Oktober stattfinden.
Am Montag und Dienstag kommender Woche steht für Michael Ballack und Kollegen die Leistungsüberprüfung auf dem Programm, am Mittwoch beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf die Partie in Istanbul. Mit dabei ist auch wieder der Dortmunder Christoph Metzelder nach zweijähriger Verletzungspause. Seinen letzten Länderspiel-Einsatz hatte der 24-Jährige am 12. Februar 2003 gegen Spanien in Palma de Mallorca (1:3).
Eine Änderung ergibt sich zwangsläufig im Angriff wegen der Verletzung von Gerald Asamoah. Neben dem gesetzten Trio Klose, Podolski und Kuranyi wurde nun Oliver Neuville nominiert. Mike Hanke kommt lediglich zum Fitnesstest dazu. Benjamin Lauth (24), der ursprünglich einmal ein "Heimspiel" in Hamburg ins Visier genommen hatte, sei "noch nicht soweit", so Löw. Überhaupt nicht dabei ist Hannovers Stürmer Thomas Brdaric, der auch beim Fitnesstest fehlen wird. Das gleiche gilt für Dietmar Hamann vom FC Liverpool.Das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft:
Tor:
Oliver Kahn (Bayern München), Timo Hildebrand (VfB Stuttgart)
Abwehr:
Arne Friedrich (Hertha BSC), Robert Huth (FC Chelsea), Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach), Per Mertesacker (Hannover 96), Patrick Owomoyela (Werder Bremen), Lukas Sinkiewicz (1. FC Köln), Christoph Metzelder (Borussia Dortmund)
Mittelfeld:
Michael Ballack, Sebastian Deisler, Bastian Schweinsteiger (alle FC Bayern München), Tim Borowski, Torsten Frings (beide Werder Bremen), Fabian Ernst (Schalke 04), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart), Bernd Schneider (Bayer 04 Leverkusen)
Angriff:
Kevin Kuranyi (Schalke 04), Miroslav Klose (Werder Bremen), Lukas Podolski (1. FC Köln), Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach)
Teilnahme an den Fitnesstest am 3./4. Oktober in Hamburg:
Jens Lehmann (FC Arsenal), Mike Hanke (VfL Wolfsburg), Andreas Hinkel (VfB Stuttgart), Sebastian Kehl, Christian Wörns (beide Borussia Dortmund).
Die derzeit verletzten Gerald Asamoah (FC Schalke) und Philipp Lahm (FC Bayern) wurden zu einem Kurzbesuch bei der Nationalelf eingeladen.
"Wörns ist unser Bester"
Sogar Nationalelf-Konkurrent Christoph Metzelder (24) lobt den Kollegen. Jürgen Klinsmann (41) strich Christian Wörns (33) jedoch für die Spiele gegen die Türkei und China. Jetzt gibt‘s Ärger.
Bekommt vom Konkurrenten Rückendeckung: Christian Wörns.
Immerhin 64 Länderspiele hat Christian Wörns (33) seit 1992 absolviert und einiges erlebt. In dieser Woche war der Abwehrmann aus Dortmund dennoch "ratlos" und "sprachlos" - um seinem Ärger mit umso deutlicheren Worten Luft zu machen. Ihn empörte, dass er, vom Bundestrainer unlängst zur "festen Größe" erhoben, im Aufgebot für die Länderspiele in der Türkei (Samstag, 8. Oktober) und gegen China (Mittwoch, 12. Oktober, in Hamburg) fehlt. Jürgen Klinsmanns offizielle Begründung: Die jungen Kollegen Per Mertesacker (21) und Lukas Sinkiewicz (19) hätten "momentan sicherlich knapp die Nase vorn". Wörns‘ wütende Reaktion ("Ich dachte immer es geht nach Leistung, das ist bei mir anscheinend nicht der Fall.") veröffentlichte kicker-online am Dienstag exklusiv. "Sinkiewicz hat eineinhalb Länderspiele", wettert Wörns, den zudem verbittert, dass Robert Huth (21), Reservist bei Chelsea, den Vorzug erhielt. Selbst einen Rücktritt schließt Wörns nicht aus, darüber wollte er "ein paar Nächte schlafen".
Abhängen dürfte die Entscheidung vom Gespräch mit Jürgen Klinsmann Anfang kommender Woche in Hamburg. Am Montag Nachmittag wird Wörns zum Treffen der Nationalelf anreisen, um mit dem erweiterten Aufgebot bis Dienstag Abend den Fitness-Test zu absolvieren. Am Mittwoch wird Klinsmann die unmittelbare Spielvorbereitung starten und Wörns das DFB-Quartier verlassen - vielleicht auf Nimmerwiedersehen.
Allzu groß schätzt man diese Gefahr im Trainerstab nicht ein. Die Frage, ob man Wörns von einem Rücktritt abhalten wolle oder diesen gar akzeptieren würde, beantwortete Klinsmanns Assistent Joachim Löw (45) an diesem Mittwoch so: "Enttäuschung mag ja sein. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er das tut." Reden werde man mit Wörns "in aller Ruhe", danach müsse man seine Aussagen "beurteilen". Verständnisvoll? Oder mit einem Rüffel für die öffentliche Kritik? Dazu wollte sich Löw noch nicht äußern.
Neben diesem neuen atmosphärischen Problem harren die sportlichen Fragen einer Antwort. Und da wird weiterhin experimentiert, gerade in der Abwehr. Die "Testphase" sei "noch nicht abgeschlossen", so Löw, von Sinkiewicz wolle man sich "ein Bild machen" und "eine Bewertung Huths vornehmen". Bei Wörns hingegen wisse man, "was man an ihm hat".
Rückendeckung erfährt der vergrätzte Routinier derweil von Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc ("Ich kann die Verärgerung sehr gut verstehen.") und insbesondere von Christoph Metzelder (24), dem Borussia-Kollegen und nun wieder Rivalen im Nationalteam. Metzelder fühlt sich "ein bisschen komisch, weil ich dabei bin und Christian nicht". Denn: "Für mich ist Christian der beste deutsche Verteidiger. Vielleicht kann ich das am besten beurteilen, weil ich täglich mit ihm trainiere." Nach kicker-Noten liegt Wörns (3,43) hinter Mertesacker (3,21), aber vor Sinkiewicz (3,50) und Metzelder (4,07).
Angesichts des Standings, das Wörns im Team hat, legte Klinsmann nun an ein zweites Pulverfass eine Lunte, nach der Torwartfrage. Metzelder hofft, "dass Christian nicht zurücktritt", Kapitän Michael Ballack (29) betonte die Bedeutung der wenigen Erfahrenen, als Oliver Kahn fehlte. Und Mertesacker sagte nach dem Confed-Cup: "Für mich bleibt Christian nicht wegzudenken. Sportlich wie menschlich."
Über die Nationalelf berichten Karlheinz Wild, Thomas Hennecke und Thiemo Müller








