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Bald gibt es Verträge für Ungeborene

Verfasst: 05.09.2005, 14:06
von Lunkens
"Bald gibt es Verträge für Ungeborene"


Bereits im Alter von neun Jahren beginnt der Poker um die Top-Talente
München - Er ist zwölf Jahre alt, 41 Kilo schwer - und er verdient 120.000 Euro pro Saison.

Sein Name: Erik Lamela. Sein Beruf: Fußball-Wunderkind. Der Schüler, der auf den Spitznamen "Coco" hört, gilt als größtes argentinisches Talent seit Diego Maradona.

Eines hat Lamela bereits mit Maradona gemeinsam - seit diesem Jahr spielt er für den FC Barcelona.

Die Katalanen nahmen den Zwölfjährigen für vier Jahre unter Vertrag und stachen dabei prominente Widersacher wie Arsenal London und den AC Milan aus.

Jobs für die Eltern, Studeinplätze für Geschwister

Dabei war Barca jedes Mittel recht. Die Katalanen boten Lamelas Eltern gut bezahlte Jobs an und stellten seinen Geschwistern Studienplätze in Aussicht.

Derartige Angebote sind im Konkurrenzkampf um die Wunderkinder des Weltfußballs Normalität geworden. Barcelona & Co. denken an die Zukunft: Ab 2008 müssen mindestens acht Spieler des Profikaders drei oder mehr Jahre im Verein sein.


Seelenheil der Kinder spielt keine Rolle

Seitdem die UEFA diese Änderungen verabschiedet hat, ringen die Top-Klubs bereits um Neun- bis Zwölfjährige. Das Seelenheil der Kinder spielt für Vereine dabei keine Rolle.

Ursprünglich sollten diese Regeländerungen die nationale Jugendförderung stärken. Mittlerweile ist aber das Gegenteil der Fall.

Der Transfer eines Minderjährigen ist per FIFA-Statut verboten. Die Vereine umgehen diese Schranke aber, indem sie die den Eltern Arbeitsplätze besorgen. So kann der Umzug der Familie mit dem Jobwechsel erklärt werden.

"Der Markt ist aggressiver geworden"

"Das ist ein neues Zeitalter. Der Markt ist aggressiver geworden", erklärt Michael Reschke, sportlicher Leiter von Bayer Leverkusen. Das musste der Werksklub auch am eigenen Leib schmerzlich erfahren.

Im vergangenen Jahr warb der FC Barcelona den zwölfjährige Dennis Krol ab. Wenige Wochen später versuchten die Barca-Scouts bei einem Turnier in Spanien weitere Leverkusener Jugendspieler zu verpflichten.

Seitdem verzichten Bayers Nachwuchsteams auf Reisen nach Spanien.

Oft entscheidet nicht das Talent

Ob diese Art der Jugendförderung wirklich erfolgsversprechend ist, bleibt allerdings zu bezweifeln. "Die Entwicklung vor dem 15. Lebensjahr ist für später weniger ausschlaggebend ", sagt der Kölner Sportsoziologe Jürgen Buschmann.

"Oft entscheidet weniger das Talent als die Persönlichkeit." Buschmann warnt davor, die Nachwuchskicker mit Unsummen zu ködern.

Ähnlich sieht es auch Wolfgang Dremmler, Chef-Scout bei Bayern München: "Diesen Schwachsinn machen wir nicht mit. Irgendwann nehmen sie noch einen Ungeborenen unter Vertrag, weil er gute Gene hat."

Wunderkinder bei Sporting und Valencia

Neben Erik Lamela gelten der zehnjährige Cristian Ioan Ponde und der zwölfjährige Nikon Jevtic als größte Talente.

Ponde ist ein Sohn rumänischer Immigranten und wurde im vergangenen Jahr von Sporting Lissabon entdeckt. Trotz des massiven Interesses von Chelsea-Coach Jose Mourinho blieb Ponde seinem Lieblingsklub treu: "Seit ich in Portugal lebe, bin ich Sporting-Fan."

Jevtic ist der Wandervogel unter den Top-Talenten. Der gebürtige Serbe spielte in England, Österreich und jetzt in Valencia. Wie einst Pelé für Brasilien soll Nikon mit 16 Jahren in der österreichischen Nationalmannschaft debütieren.
Im Grunde ist es logisch, dass jeder versucht das Talent frühzeitig zu sichern, aber in dem Alter sieht man doch höchstens das einer kicken kann. Aber von euch kennt doch sicher jeder Irgendwen, der riesiges Talent hatte, aber durch mangelnden Ergeiz nichts drausgeworden ist. Bei mir ist das beim Blick in den Spiegel immer so :effe:

Verfasst: 05.09.2005, 14:18
von opelgang
den selben artikel habe ich auch grade gelesen,
finde das aber eher ein bißchen krank...

Verfasst: 05.09.2005, 14:21
von Lunkens
Logisch ist das krank, die Kinder wissen ja gar nicht was sie wollen und werden ausgeschlachtet wie eine Gans, dass ist ja wohl sonnenklar.
Man sollte alle Spielerwechsel (besonders international) bis zu einem bestimmten Alter ~16 verbieten.

Verfasst: 05.09.2005, 14:26
von opelgang
das funktioniert auch nicht, wieso sollte nen talent nich nach leverkusen gehen dürfen, wenn es in happerschoss oder sonstwo total unterfordert ist?

Verfasst: 05.09.2005, 14:28
von Horny
opelgang hat geschrieben:das funktioniert auch nicht, wieso sollte nen talent nich nach leverkusen gehen dürfen, wenn es in happerschoss oder sonstwo total unterfordert ist?
Eben, Wechsel zu verbieten wäre genauso bescheuert.
Die Weltverbandjungs sollen einfach einsehen, daß diese neue Regelung ein Fehler war und sie wieder rückgängig machen.

Verfasst: 05.09.2005, 14:34
von Lunkens
Ich rede von internationalen Wechseln hauptsächlich.
Jeder wird ja wohl, egal in welchem Land, irgendeinen Klub finden, der sein Talent halbwegs fordert, bis er kein Kind mehr ist.
Aber mit 12 von Kroatien zum FC Barcelona...bißchen zu deftig.