Prämien
Verfasst: 07.06.2010, 20:16
Versteh nicht warum die verzichten sollten, klar ist es zu viel Kohle, aber wenns jemand bezahlen kann und zahlen will, warum nicht. Gab bisher, glaube ich, noch keinen Fall dass nen Spieler zu hause bleiben wollte, weil ihm die Siegprämie zu niedrig war«Diese Prämien sind obszön»
Von Florian A. Lehmann
Sollten Spaniens Fussballer den WM-Titel erobern, dann würden sie am meisten von allen 32 Teams kassieren. Die Sieges-Prämie von 600'000 Euro kommt in der Heimat nicht gut an.
«Mordsprämie»: Die Forderungen von Spaniens Fussballern im Falle eines WM-Sieges stehen zu Hause in der Kritik.
Ungefähr 835'000 Franken würde jede «Spielernase» von «La Roja» verdienen, sollte die spanische Delegation mit dem WM-Pokal im Gepäck nach Hause fliegen. In diesem monetären Ranking liegen die Argentinier (510'000 Euro), Engländer (475'000), Franzosen (390'000), Deutschen (250'000) und Italiener (240'000) um einiges zurück. Die Brasilianer müssten sich sogar im Falle eines Triumphs «nur» mit 180'000 Euro begnügen.
Auch wenn der EM-Titel von 2008 in Spanien ausgiebig gewürdigt wurde und auch der Popularität der Nationalmannschaft einen enormen Schub verlieh, kommt die hohe Titelprämie bei der Bevölkerung gar nicht gut an. Denn die Wirtschaftskrise trifft das Land hart. Deshalb stehen Fernando Torres & Co. mächtig in der Kritik. Die Vereinigte Linke hat die Regierung aufgefordert, zu intervenieren. Die katalanischen Nationalisten (ERC), von denen viele heissblütige Fussballfans sind, appellierten an die Spieler, angesichts der Probleme auf den Geldsegen zu verzichten. «Diese Prämien sind überzogen, beschämend und obszön», polterte ERC-Parlamentarier Joan Ridao.
Auch das Volk schüttelt angesichts der grossen wirtschaftlichen Probleme den Kopf über den festgelegten Betrag. Bei einer Umfrage von «El Mundo Deportivo» finden 93 Prozent der Leserschaft die WM-Prämie als exorbitant, nur 7 Prozent stören sich nicht daran. Der spanische Fussball-Verband dagegen verteidigt sich: «Vor jedem grossen Turnier gibt es die gleiche Diskussion. Die Kritik ist reine Demagogie», erklärt ein Sprecher.
Bescheidenere Schweizer
Gegenüber den Forderungen ihres WM-Vorrundengegners muten die Ansprüche der Schweizer Fussballer geradezu bescheiden an. Captain Alex Frei hat mit Peter Stadelmann, dem Delegierten der Nationalmannschaft, in den letzten vier Monaten ausgehandelt, dass jeder Spieler pro WM-Punktgewinn 10'000 Franken erhält. Eine mögliche Qualifikation für den Achtelfinal wäre mit 45'000 dotiert – nicht in Franken, sondern in US-Dollars. Die Schweizer würden dann also ungefähr 52'400 Franken kassieren. Ein Startgeld gibt es nicht, sollten Hitzfelds Spieler über sich hinauswachsen und gar unter die letzten acht vorstossen, dann müssten sich Frei und Stadelmann nochmals an einen Tisch setzen und die Prämienfrage neu regeln. Noch nichts Offizielles ist bisher bei den Schweizer Gruppengegnern Honduras und Chile in dieser Angelegenheit durchgedrungen.
Fairerweise muss man bei den Spaniern anfügen, dass die Europameister leer ausgehen, wenn sie den Viertelfinal nicht erreichen. Die Deutschen führen das gleiche Prinzip durch. Die ganze Angelegenheit ist für die WM-Favoriten also auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Andere Länder, andere Sitten: Jeder Spieler Südkoreas würde beispielsweise bei einer Achtelfinal-Qualifikation bis zu 111'400 Euro (155'000 Franken) erhalten. Das System sieht aber eine Staffelung vor, die jeden Fussballer nach seiner Leistung individuell belohnen wird – eine heikle Aufgabe für die Jury. Eine Titelprämie wurde bei den Südkoreanern nicht vereinbart.
Der Geldsegen der Fifa
Am meisten sahnen allerdings die nationalen Verbände ab. Insgesamt schüttet der Weltfussball-Verband (Fifa) 280 Millionen Euro aus, das sind 61 Prozent mehr als bei der WM 2006 in Deutschland. Wer sich in den Final vorkämpft, erhält 16,5 Millionen Euro (circa 23 Millionen Franken), der Champion kassiert 20,6 Millionen Euro (28,7 Millionen Franken). 15 Millionen Euro verdienen die Halbfinalisten, der Einzug in die Viertelfinals wird mit 12 Millionen Euro honoriert.
Jene 16 Mannschaften, die bereits nach der Vorrunde nach Hause reisen müssen, erhalten neben der Qualifikationsprämie von 660'000 Euro (ungefähr 917'500 Franken) noch 5,3 Millionen Euro (7,370 Millionen Franken) Antrittsgeld. Mit anderen Worten: Rund 8,287 Millionen Franken hat der Schweizerische Fussball-Verband bei der Mission Südafrika bereits vor dem ersten Auftritt gegen Spanien in der Tasche.
Damit sich der finanzielle Kreis schliesst: Die Fifa mit Sitz in Zürich erwartet Einnahmen von rund 3,6 Milliarden Franken – den grossen Raibach macht letztlich der Verband mit Präsident Joseph S. Blatter. (bazonline.ch/Newsnetz)
Erstellt: 07.06.2010, 14:00 Uhr