Strafgericht für AS Rom
Die Gäste bestätigen durch zahllose Undiszipliniertheiten auch in der BayArena ihren schlechten Ruf.
Leverkusen - Die Aufregung des mitreißend hektischen Spiels hatte Klaus Augenthaler schon ein paar Momente nach dem Schlusspfiff abgelegt. Seelenruhig kommentierte der Trainer von Bayer 04 Leverkusen die zünftige Säbelei, mit der der AS Rom gestern Abend in der BayArena auffällig wurde: „Wir haben das überlebt, und wir haben gut gegengehalten, das war entscheidend.“ Wenn die Spieler des italienischen Vizemeisters nicht spektakulär den toten Mann spielten, hämmerten sie mit Fäusten und Füßen auf ihre Gegenspieler ein, was allerdings erst kurz vor Schluss Folgen hatte: Die Römer Panucci und de Rossi erhielten die Rote Karte. So konnte es nichts werden mit dem ersten Erfolg in der diesjährigen Champions-League-Serie. Stattdessen gewann eine im Vergleich zum 1:3 von Berlin am Wochenende deutlich verbesserte Leverkusener Mannschaft mit 3:1 (0:1) und hat nun nach dem zweiten Sieg im dritten Spiel eine reelle Achtelfinal-Chance. Augenthaler meinte: „Das war der Beweis, dass meine Mannschaft intakt ist.“
Auf die letztlich siegbringende taktische Variante stieß Augenthaler beim Studium von aktuellen Videobändern römischer Spiele. Die Konsequenz: Er besetzte die Außen mit agilen Flankengebern, auf der rechten Seite überzeugte Jermaine Jones mit gefälligem Spiel und vergaß dabei auch nicht, den gleichfalls überzeugenden Linksaußen Jacek Krzynowek mit ins Spiel einzubeziehen. Bayer dominierte, Roque Junior verpasste allerdings per Flugkopfball ebenso die Führung (5.) wie kurz darauf auch noch Berbatow (9.), der per Kopf die Latte traf.
Plötzlich aber kippte die Partie: Der schwach pfeifende französische Schiedsrichter Eric Poulat bestrafte Leverkusen in der 26. Minute mit einem Freistoß, obwohl Roque Junior zuvor in einem Zweikampf gegen Roms Mancini klar den Ball erobert hatte. Roms Topstar Francesco Totti zog 25 Meter vor dem Tor aus halbrechter Position ab - und hatte Glück, weil Dimitar Berbatow unhaltbar abfälschte, 0:1.

Rom versuchte fortan, Leverkusen mit überhartem Einsatz und theatralischen Schauspielereien zu lähmen, doch diese Maßnahme griff letztlich nicht. Bayer-Kapitän Jens Nowotny meinte: „Die Italiener sind eben sehr emotional. Wir haben aber weiter die Zweikämpfe gesucht und gewonnen.“ Das galt dann vor allem für die zweite Halbzeit, in der Augenthaler alles riskierte. Für den defensiven Mittelfeldspieler Ramelow brachte er Stürmer Franca. Seine Elf hatte das Signal verstanden. Ponte zirkelte einen Freistoß in Roms Strafraum, der Ball fand den Weg ins Netz zum 1:1. Leverkusen versuchte, mit einer Mischung aus rasanten Ball-Stafetten und permanentem Druck die Entscheidung herbeizuführen. Und hatte Glück: Krzynowek erzielte mit einem Volleyschuss das 2:1 (59.).
Anschließend erhielten Panucci (61.) und de Rossi (87.) für ihre üblen Attacken an Krzynowek die Rote Karte, während ein reguläres Tor von Cufre (61.) wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. Die Holzerei kommentierte Augenthaler launig:
„Jetzt kann ich verstehen, warum Rudi Völler diese Mannschaft nach nur einem Monat verlassen hat.“
Mit elf gegen neun Mann erzielte Franca mit dem Schlusspfiff noch das 3:1.
Leverkusen: Butt - Juan, Nowotny, Roque Junior - Schneider, Ramelow (46. Franca), Placente - Ponte (90. Babic) - Jones (67. Freier), Berbatow, Krzynowek.
Rom: Zotti - Panucci, Ferrari, Scurto, Cufre - Mancini (67. Sartor), Perrotta (74. Mido), de Rossi - Totti, Cassano - Montella (50. Aquilani). - Rote Karten : Panucci, nach Tätlichkeit (61.), de Rossi, grobes Foulspiel (87.)
Schiedsrichter: Eric Poulat (Frankreich).
Zuschauer: 22 500 (ausverkauft).
Tore: 0:1 Totti (26.), 1:1 Ponte (48.), 2:1 Krzynowek (59.), 3:1 Franca (90.)