sport1.de hat geschrieben:Spuck-Attacken und Klopapier
Rotterdam - Spuck-Attacken und Trikots, die als Klopapier missbraucht wurden, sind nur zwei von zahllosen Beispielen die es beweisen.
Ein "Freundschaftsspiel" im wahrsten Sinne des Worte kann es auch am Mittwoch (ab 20 Uhr LIVE oder als SMS) in Rotterdam nicht geben.
Deutschland und die Niederlande sind Erzrivalen auf der Fußball-Bühne.
Der Anfang einer Blutfehde
Der Ursprung allen Übels der jüngsten Vergangenheit liegt wohl in der bittersten Niederlage begründet, die Fußball-Holland jemals hinnehmen musste.
Das 1:2 im WM-Finale 1974 gegen Gastgeber Deutschland nagt bis heute an der Oranje-Seele, weil die Nationalmannschaft um Johan Cruyff die unbestritten beste Elf ihrer Zeit war.
"1974 wurde uns die Weltmeisterschaft geklaut"
Die Niederlande spielten damals nicht nur nach Meinung von Bondscoach Rinus Michels "Fußball total", dennoch gewann Deutschland nach Toren von Paul Breitner und Gerd Müller - "Kaiser" Franz Beckenbauer hatte über "König" Johan Cruyff triumphiert.
"Wir wollen jetzt mal eine Weltmeisterschaft gewinnen. 1974 wurde sie uns ja geklaut", sagte HSV-Verteidiger Khalid Boulahrouz zu Sport1.de.
Cruyff-Blamage gegen Bayern
Eine weitere, fast vergessene Episode um den genialen Strategen Cruyff dokumentiert vielleicht am treffendsten die enorme sportliche Rivalität zwischen beiden Ländern, auch wenn die Nationalmannschaften nicht betroffen waren.
Am 7. November 1978 wollte sich Cruyff im Trikot von Ajax Amsterdam eigentlich in Freundschaft mit dem deutschen Rekordmeister Bayern München messen, um seinen Abschied von der internationalen Fußball-Bühne zu feiern.
Angetrieben vom Ehrgeiz, den ungeliebten Gegner zu blamieren, führten die Bayern den Traditionsklub zum Entsetzen der 60.000 Zuschauer im Amsterdamer Olympiastadion vor - Endstand: 0:8.
Thons Trikot als Klopapier
Allerdings bleiben die Duelle zwischen den A-Teams beider Länder bis heute die Höhepunkte. 14 Jahre nach München nahm Holland Rache und gewann in Hamburg das EM-Halbfinale gegen den Gastgeber 2:1.
Diesmal triumphierte "Knipser" Marco van Basten, der kurz vor dem Ende den Siegtreffer erzielte und am kommenden Mittwoch Jürgen Klinsmann zum Trainerduell herausfordert, über "Fußballgott" Jürgen Kohler.
Aber vor allem das Nachspiel brachte die deutsche Volksseele zum Kochen: Nach dem Abpfiff putzte sich Ronald Koeman mit dem Trikot von Olaf Thon demonstrativ, aber genussvoll den Allerwertesten ab und wurde damit zum Helden für diejenigen unter seinen Landsleuten, die die Deutschen vorwiegend als Besatzer des Vaterlandes zwischen 1941 bis 1945 ansehen.
"Rotzlöffel" Rijkaard
1990 vergaß Frank Rijkaard seine gute Kinderstube und bespuckte Rudi Völler während des WM-Achtelfinals in Mailand für alle Welt sichtbar.
Der ehemalige DFB-Teamchef sah zwar ebenso "Rot" wie "Lama" Rijkaard, doch nach der wohl besten Leistungen von Klinsmann im DFB-Trikot gewann Deutschland 2:1 und nahm damit eine hohe Hürde auf dem Weg zum dritten WM-Titel.
13:10 für Deutschland
Insgesamt 36 Mal standen sich die beiden Fußball-Großmächte gegenüber, 13 Spiele gewann Deutschland, 10 die Niederlande. Das letzte Duell endete in der Vorrunde der EM 2004 in Portugal 1:1.
Beim letzten Oranje-Heimspiel siegten die Gastgeber am 23. Februar 2000 in Amsterdam 2:1. Doch rund eineinhalb Jahre später verpasste die Elftaal die Qualifikation für die WM 2002 in Südkorea und Japan.
Dass nicht wenige Deutsche das Scheitern des "kleinen Nachbarn" in der WM-Qualifikation ebenso sehr genossen wie die spätere Vize-Weltmeisterschaft, deutet sich in den Weiten des Internet an. Die Seite "
www.ihr-seid-nicht-dabei.de" wurde bis zum Ende der WM mehr als 23 Millionen mal angeklickt.
"Spannungen sind kleiner geworden"
"Geschichte ist unvergänglich, aber sie kann hinter die Vergangenheit zurücktreten, meinte van Basten vor dem Spiel am Mittwoch im Interview mit der "Welt". "Spannungen, wie wir sie früher erlebt haben, sind kleiner geworden."
Die Duelle der Vergangenheit heizen die Emotionen auf beiden Seiten vor jedem neuen Spiel jedoch weiterhin kräftig an. Und auch in Rotterdam herrscht Sicherheitsstufe Nummer eins. Nur 1330 Fans dürfen die deutsche Elf aus Sicherheitsgründen ins Stadion "De Kuip" begleiten.